50 Jahre Gesellschaft in Aufruhr!
Die GRÜNE JUGEND und die Bielefelder Bundestagsabgeordnete Britta Haßelmann rufen zur Teilnahme an der Parade zum

Christopher Street Day auf. Dieses Jahr werden beim Christopher-Street-Day (CSD) zwei wichtige Jahrestage gefeiert: das 25-jährigeJubiläum der Parade in Bielefeld und ihren historischen Ursprung vor 50 Jahren in New York.
Dazu Dominik Schnell, Sprecher der GRÜNEN JUGEND Bielefeld: „In Deutschland müssen sich transsexuelle Menschen aktuell einer Geschlechtsidentitätsberatung unterziehen, um eine Personenstandsänderung zu erwirken. In vielen EU-Ländern gibt es diese verpflichtende Beratung nicht. Laut geltendem (Un-)Recht müssen transsexuelle Personen für diesen Schritt zudem zwei fachärztliche Gutachten vorweisen. Dieser Geschlechts-TÜV muss abgeschafft und das Recht auf Selbstbestimmung wiederhergestellt werden – JETZT!“

„Menschen, die nicht eindeutig in die gesellschaftlichen Kategorien ‚männlich‘ oder ‚weiblich‘ passen, sind nach wie vor alltäglicher Diskriminierung und struktureller Repression ausgesetzt. Wir fordern deshalb eine Anpassung der aktuellen Gesetzeslage, die sowohl intergeschlechtlichen, als auch transidenten Menschen ein selbstbestimmtes, unkompliziertes Verfahren zur Personenstandsänderung ermöglicht. Dass der CSD für viele eine große Party ist, ist schön und auch wichtig. Wir dürfen dabei aber auch den Teil des Ganzen nicht vergessen, der uns zum Umdenken und Handeln anregen soll!“, ergänzt Jana Bohne, Sprecherin der GRÜNEN JUGEND Bielefeld.

Britta Haßelmann, Bundestagsabgeordnete aus Bielefeld und Erste Parlamentarische Geschäftsführerin der Bundestagsfraktion Bündnis90 / Grüne fügt hinzu:
„Das Engagement für die Rechte lesbischer, schwuler, bisexueller, trans- und intergeschlechtlicher Menschen ist auch zum 50sten Jahrestag des Stonewall-Aufstands an der Christopher Street dringend notwendig. Jeden Tag werden ganz besonders junge Menschen inunserem Land Opfer von Übergriffen wegen ihrer sexuellen und geschlechtlichen Identität. Es reicht nicht, wenn die Bundesregierung einmal im Jahr die Regenbogenfahne herausholt. Für uns ist klar:Gegen Diskriminierung und Ausgrenzung muss konsequent vorgegangen werden – an jedem einzelnen Tag.“

Hintergrund:
Im Juni 1969 kam es in der New Yorker Christopher Street zu Ausschreitungen zwischen der Polizei und schwulen, lesbischen und
transidenten Menschen. Erstmal haben sich diese gegen die willkürliche Polizeigewalt zur Wehr gesetzt, die ihnen aufgrund ihrer sexuellen oder geschlechtlichen Identität entgegengebracht wurde. Die Christopher Street und der CSD sind ein bedeutendes und starkes Symbol für queere Emanzipation. In Bielefeld werden am CSD die Vielfalt und Toleranz unserer Gesellschaft gefeiert. Doch auch hier vor Ort sind viele Menschen aufgrund ihrer sexuellen oder geschlechtlichen Identität immer noch alltäglichen Anfeindungen und rechtlicher Ungleichbehandlung
ausgesetzt. So gibt es seit 2018 die Möglichkeit das sogenannte dritte Geschlecht („divers“) in ihre amtlichen Dokumente eintragen zu lassen.
Transidente Menschen – also Menschen, bei denen die Geschlechtsidentität vom biologischen Geschlecht bei der Geburtabweicht – werden allerdings nicht beachtet. Bereits 2017 hat die grüne Bundestagsfraktion im Rahmen ihrer parlamentarischen Arbeit einen Gesetzentwurf zur Anerkennung der selbstbestimmten Geschlechtsidentität in den Bundestag eingebracht. Zentrale
Forderung ist hierbei die Abschaffung des Gutachtenzwangs bei einer Personenstandsänderung für alle Menschen, damit Standesämter die notwendigen Änderungen in amtlichen Dokumenten durchführen können. Darüber hinaus hat die Grüne Bundestagsfraktion im Rahmen ihrer parlamentarischen Arbeit an diesem Freitag einen

Antrag für einen Aktionsplan für sexuelle und geschlechtliche Vielfalt im Bundestag aufgesetzt und hat einen interfraktionellen Gesetzentwurf zum Schutz der sexuellen Identität in Art 3 GG eingebracht.