Innerhalb kürzester Zeit gab es 10.000 Einträge bei Twitter mit dem Hashtag #metwo.
Mit Alltagsrassismus haben People of Colour oft in der Schule, im Studium, in Vereinen, in Bewerbungsgesprächen und bei der Wohnungssuche zu kämpfen. Darum ging es in der Rede von Schahina Gambir bei #wirsindmehr heute Abend am Rathaus. Dominik Schnell betonte die Wichtigkeit von jungen Menschen in den Parlamenten, um die Debattenkultur und den politischen Diskurs wieder aus dem rechten Sprech zu reißen. Es ist Zeit für eine jüngere und emanzipatorische Kommunalpolitik, die junge Menschen verstärkt zu Wort kommen lässt!

 

Schahinas Rede:

Nach diesen wunderbaren zehn Treffen zu #wirsindmehr fällt es schwer, nicht in Floskel zu verfallen und etwas zu sagen, was noch nicht in dieser Form gesagt wurde. Aber es gibt Dinge, die darf man öfter sagen und wenn nötig auch erneut wiederholen:

Rassismus, Faschismus und Menschenverachtung sollten weder in Bielefeld noch in irgendeiner anderen Stadt Deutschlands und ich würde sogar sagen in ganz Europa und auf der ganzen Welt nicht toleriert werden.

Jedoch gibt es tatsächlich ein Thema, worüber ich mit euch sprechen möchte. Und zwar ist es der Alltagsrassismus. Es ist eines, wenn man aufgrund seiner Herkunft oder der Herkunft der Eltern offen beschimpft wird. Wenn ein Nazi um die Ecke kommt und ruft: „Scheiß Ausländer“, dann fühlt man sich vielleicht wütend und ohnmächtig zugleich und dann tut das weh … aber ich persönlich würde sagen, dass latenter Rassismus im Alltag noch schlimmer ist – sei es in der Schule, bei der Arbeit, im Studium, in Vereinen, in Bewerbungsgesprächen und bei der Wohnungssuche. In diesen und vielen anderen Situationen das Gefühl zu haben, dass man aufgrund seines Aussehens, seines Namens oder seiner Religionszugehörigkeit diskriminierend behandelt wird, ist schrecklich… Ich bin mir sicher, dass die meisten Menschen es gar nicht mal böse meinen, wenn man zum 100sten Mal gefragt wird, warum man so gut deutsch spricht oder woher man denn eigentlich kommt und wie lange man noch in Deutschland bleiben möchte.

Liebe Bielefelderinnen und Bielefelder, um den Alltagsrassismus zu bekämpfen, müssen wir die Schubladen in unseren Köpfen leeren, entstauben und neu sortieren – und im besten Fall denken wir erst gar nicht in Schubladen.

Ich gehe davon aus, dass den meisten Menschen das nicht bewusst ist. Aber sie grenzen aus. Betroffene werden aus dem WIR ausgeschlossen und werden damit zu IHR gemacht.

Auch im Rahmen dieser Kundgebung wurde von einer Person gesagt, die nicht von Rassismus betroffen ist, dass es an ihrer Schule in Bielefeld keinen Rassismus gegeben hätte. Ich möchte inständig in Frage stellen, ob Menschen das beurteilen können, wenn sie nicht in dieser Haut stecken.

Außerdem möchte ich daran appellieren, unsere Handlungen, Interaktionen und Gedanken immer und immer wieder zu hinterfragen und zu reflektieren, denn die Beschimpfungen wie „Scheiß Ausländer!“ tun mindestens genauso sehr weh, wie ein „Gehst du nach dem Studium zurück in DEIN Land?“.


Dominiks Rede:

Hallihallo und schön, dass ihr da seid!

Seit fünf Jahren betreue ich nun schon an der FH Austauschstudierende des ERASMUS Programms, aber auch aus vielen anderen Ländern rund um den Globus verteilt.

Ich kann euch sagen: Dieser europäische Austausch ist mit das Beste, was mir in meinem Leben passiert ist. All die Erfahrungen, wundervollen Menschen und spannenden Kulturen, die ich erleben durfte, bereichern anhaltend mein Leben.
Viele dieser Austauschstudis habe ich hier auf ihren ersten Demonstrationen begleitet. Da in ihren Heimatländern freie Meinungsäußerung und die Sicherheit auf den Straßen keine Selbstverständlichkeit ist.

Es ist ein unfassbar geiles Gefühl, Freunde und Freundinnen fast in jedem Land der Welt zu wissen! Dies ließe diesen wunderschönen, aber auch sehr verletzlichen Planeten in meiner Vorstellung beinahe schon klein und kuschelig wirken. Wenn nicht all der Hass, die Gewalt und Zerstörung wären.

Um dem entgegenzuwirken, braucht es ein geeintes Europa mit mehr Kooperation und Austausch!
Dabei darf eine europäische Annäherung jedoch niemals durch Abgrenzung nach außen passieren. Sondern nur durch ein solidarisches Miteinander!

Lasst uns uns dem Rechtsruck Europas nicht mit dieser widerlichen Abschottungspolitik begegnen. Sondern mit einer gemeinsamen Sozialpolitik, die andere Mitgliedstaaten nicht alleine lässt. Lasst uns außerdem verstärkt in Austauschprogramme investieren. Sodass junge Menschen jeden Alters, egal ob Azubi oder Studi oder Schüler*in, die Möglichkeit haben, barrierefrei die Vielfalt Europas erleben und lieben lernen zu können!

Wir sind mehr! Und das auch IN und ganz besonders erst MIT Europa!

Eine weitere Stellschraube, dem Rechtsruck auch vor unserer eigenen Haustür zu begegnen, ist es, die Debattenkultur und den politischen Diskurs wieder aus dem rechten Sprech zu reißen.
Dafür braucht es jüngere Menschen in der Politik! Wir lassen uns schon zu lange von weißen, alten Männern, wie Donald Trump, Horst Seehofer und Wladimir Putin, herumschubsen.

Wir brauchen dringend mehr junge Menschen in den Parlamenten der Erde! Da passt es doch, dass wir gerade vor unserem wunderschönen Rathaus stehen. Wie wäre es also mit einer jüngeren und emanzipatorischen Kommunalpolitik, die junge Menschen verstärkt zu Wort kommen lässt?

Gebt uns die Chance, unsere Probleme selbst zu lösen. Wir fordern Bemächtigung statt Ohnmacht!