Bildungsstreik in Bielefeld

Eine SchülerInnendemo ist kein G8-Gipfel

Gratulation an das Bielefelder Bildungsstreikbündnis! Erneut ist den vielen Aktiven ein beachtlicher Aktionstag gelungen. Die gut besuchte, kreative, laute Demonstration hat gezeigt: die Bielefelder SchülerInnen und Studierenden sind alles andere als politikverdrossen und gehen für ihre Ziele und Ideale eines besseren Bildungssystems auf die Straße.

Ein fader Beigeschmack war jedoch dabei. Nach ihren schwerwiegenden Fehlern im Vorfeld und während der Bildungsdemo im Sommer hat die Bielefelder Polizei nun anscheinend jedes Maß verloren. Die Stadt war so vollgestopft mit Einsatzkräften, dass ich das Gefühl hatte, zugleich einem G8-Gipfel, einem Castortransport und einem Spiel erzverfeindeter Fußballclubs* zu sein. Mir ist bisher leider keine Zahl bekannt, wie viele PolizistInnen für eine friedliche Demo für ein wichtiges Ziel einen Dienstag Nachmittag opfern mussten, aber es waren so viele, dass sie auf der Demoroute ohne Probleme eine lockere Kette bilden konnten und sich in jeder Kurve dichtgedrängt stehend darum kümmern konnten, dass kein Mensch an ihnen vorbeikam. Offensichtliche AltstadteinkäuferInnen und verwirrte PassantInnen inklusive.

Für Menschen, die öfters Demonstrationen besuchen, sind solche Erlebnisse schon ziemlich ätzend, denn wenn ich auf die Straße gehe, weil mir ein Ziel wichtig ist, will ich mich dabei frei und sicher fühlen. Aber wir reden hier von einer SchülerInnen- und Studierendendemo, das heißt: a) die TeilnehmerInnen sind in der Mehrzahl jung, viele nicht einmal volljährig. b) es ist für viele TeilnehmerInnen auch das erste Mal, dass sie bewusst auf die Straße gehen und ihre demokratischen Rechte wahrnehmen. Wer dabei von einer so abschreckenden und zugleich übertriebenen Kulisse, Reiterstaffel inklusive, empfangen wird, wird es sich in Zukunft eben zweimal überlegen, ob die Demo denn so wichtig ist. Und das sollte bei der ach so politisch desinteressierten Jugend lieber nicht passieren.

Ins gleiche Horn stößt ein nett gemeintes Infoblatt der Polizei „für junge Demonstrationsteilnehmer Bildungsstreik 17. November 2009“. Darin werden zum einen Falschinformationen, insbesondere hinsichtlich der Strafbarkeit von z.B. Sitzblockaden verbreitet. Zum anderen wird auch hier wieder auf Angstmache gesetzt, denn es wird vor Rädelsführern gewarnt, die nicht nur selbst nicht rechtsstaatstreu sind, sondern den ganzen Tag nichts anderes tun als denkunfähige junge Leute zu schlimmsten Straftaten anzustiften.

Im Blog von nixzen wird die Frage ganz gut zusammengefasst, die sich heute wohl viele gestellt haben: „Vor was hat dieses Land Angst? Vor seinen Kindern?“

* esgibtsie hat dies in die schöneren Worte gepackt: „Da erwartet man bei dem sich bietenden Bild, dass wenigstens die Russen kommen“

PS: Hier noch ein NW-Artikel über das, was kam, als Viele wie ich schon auf dem Weg nach Hause waren. Vielleicht gibts ja wirklich die versprochene Bewegung – hoffentlich!

von Matthi Bolte

weitere Links:

http://www.nw-news.de/owl/?em_cnt=3244173

http://www.esgibtsie.de/

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11 2009

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