Greenwashing in Zeiten des Web 2.0

Nabend liebe Leser,
heute beschäftigen wir uns einmal mit dem sogenannten “Greenwashing”. Das hat (für diesen Blog ausnahmsweise) mal nichts mit den Grünen zu tun – beziehungsweise nur sehr indirekt.

Ich zitiere mal von Wikipedia:

Greenwashing oder Greenwash (englisch wörtlich grün waschen, in Anspielung auf grün als Symbol für Natur und Umweltschutz und Waschen im Sinne von Geldwäsche oder sich reinwaschen, bzw. als Analogiebildung zu whitewash, englisch für schönfärben) ist eine kritische Bezeichnung für PR-Methoden, die darauf zielen, einem Unternehmen in der Öffentlichkeit ein umweltfreundliches und verantwortungsvolles Image zu verleihen (Deutsch etwa: „sich ein grünes Mäntelchen umhängen“). (Quelle: Wikipedia.de)

Ein Unternehmen versucht sich also ein umweltfreundliches Image zu geben – ohne es verdient zu haben. Die Marketingabteilung vom Energieriesen RWE hat sich da mal was schönes einfallen lassen: Ein knuddeliger Riese läuft durch eine Märchenlandschaft und stellt hier mal ein paar Windräder auf, setzt dort mal Gezeitenkraftwerke in das Meer und für ein paar Sekunden spielt er sogar mit Braunkohle. Den Spot noch schnell mit einem Kinderhit mit Ohrwurmgarantie hinterlegt und direkt vor Harry Potter geschaltet – Fertig! Da der Spot auch echt gut gemacht ist hätte das ganze fast funktioniert. Ich würde sogar soweit gehen und sagen: Vor fünf Jahren hätten bis auf ein paar Umweltschützer alle gedacht: “Ja, RWE – die tun was für die Umwelt!”

Das Problem: Genau das ist gerade nicht der Fall: In Deutschland lag der Anteil der Erneuerbaren Energien am gesamten Strommix 2008 bei ca. 15%. Der Strommix von RWE sieht anders aus – ganze 2% kommen aus Erneuerbaren Energien und rechnet man die alten Wasserkraftanlagen heraus sind es sogar nur ca. 0,4%. (Die Zahlen habe ich von Greenpeace und die haben sie aus offiziellen RWE Unterlagen errechnet).
Jetzt will RWE zwar in Erneuerbare investieren, aber nur einen Bruchteil der gesamt Investitionen. Sie liegen also nicht nur hinten, sie tun auch zu wenig (Siehe z.B. Tagespiegel.de) . Ach ja, und die Gezeitenkraftwerke gibt es bis jetzt nur als Planung – ob sie jemals zum Einsatz kommen ist ungewiss. Die Atomkraftwerke von RWE hat man lieber mal ganz außen vor gelassen.

Wer den Film noch nicht kennt, der kann ihn sich hier angucken. Wer ihn schon kennt kann sich ja überlegen, ob er RWE den Klick schenken möchte ;-)

Zum Glück leben wir heute aber im Jahr 2009 – und damit in Zeiten des “Web2.0″. Heute kann jeder mit seinem PC ein Video herunterladen und ein wenig daran herumspielen… Und so der Wahrheit zu ihrem Recht verhelfen. Wenn sich das Video dann auch noch gut und exponentiell verbreitet – dann hat man das geschafft, was seit ein paar Jahren jede Marke, die etwas auf sich hält verzweifelt versucht: Man hat einen viralen Spot erschaffen.

Genau das ist nun passiert. Der RWE-Spot ist so dreist, dass vor ein paar Tagen die erste überarbeitete Version des Spots im Netz die Runde machte. Erstellt vom Youtube-User “Stimme00″:

Wenig später legte Greenpeace (wo ich gerade ein Praktikum mache – das erwähne ich vielleicht lieber mal aus Transparenzgründen) nach und lässt den Riesen durch eine graue Landschaft mit brennenden Kraftwerken trampeln.

Dieser Spot wurde inzwischen allein bei Youtube über 20.000 mal in drei Tagen angeguckt (Stand 20.08.2009 22:09 Uhr) – Das Original in einem ganzen Monat gut 35.000. Und da kann man einige dazurechnen, die sich den Spot nur angeguckt haben um die Kopie verstehen zu können. Die Verbreitung des Anti-Greenwashinspots lief auf jeden Fall super. Schell nahmen große wie kleinere Blogs ihn auf. Auch Fachseiten aus den Bereichen Werbung und Marketing verlinkten ihn und berichteten.

Und dabei soll es nicht bleiben. In der Greenpeace Mitmach-Community GreenAction ruft Greenpeace dazu auf sich kreativ an dem Spot auszulassen. Hier ist die nächste Version mit weniger Fakten – aber dafür wesentlich lustiger:

Im Greenpeace Blog gibt es auch noch ein schönes Bild, dass die Vorlage für den Riesen aufdeckt, aber seht selbst hier.

Man kann nur hoffen, dass das anderen Unternehmen eine Warnung ist: Wir lassen uns nicht so leicht verarschen! Statt Millionen in Greenwashing-Kampagnen zu stecken, ändert lieber eure Geschäftspolitik und eure Produkte! Wenn ihr wen braucht, der euch dabei hilft – ich mach das wohl ;-)

Dann belohnen wir euch auch – zum Beispiel bei einem Carrotmob wie er am Samstag in Bielefeld stattfindet

So und bevor mir noch jemand Schleichwerbung für meinen Praktikums-Arbeitgeber vorwirft gehe ich jetzt lieber mal noch ein Bier trinken – Cheers!

20

08 2009

dein Kommentar